hFMA NETZREPORTER goes B3 BIENNALE / THE ARTS+

Beitrag von Tina Waldeck

Vorhang auf für die B3 / THE ARTS+

Bewegende Grußworte von Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst
Bewegende Grußworte von Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst

20:30 Uhr – Cinema Arthouse Kino Frankfurt am Main, 15.10.2019

Das Foyer ist gut gefüllt: wie immer, bei solchen Veranstaltungen im Cinema Arthouse Kino Frankfurt. Gleich zweimal werden die geladenen Gäste an den jeweiligen Eingängen kontrolliert. Dafür bekommen sie an der Theke ein Getränk und – einmal ihren begehrten Platz erreicht – noch eine Tüte Popcorn auf Kosten des Hauses. 

Die Erwartungshaltung steigt und die Stimmung auch. Nach und nach füllt sich das Kino und so manch prominenter Gast verschwindet in dieser langen Liste der geladenen Gäste: Wir entdecken unter anderem im Publikum Juliane Rebentisch (Philosophie und Ästhetik Professorin der Hochschule Offenbach) und Gregor Maria Schubert (Leiter des Lichter-Filmfestes), dazu auch viele der geladenen Sprecher aus dem gut gefüllten Programm der B3, die in den nächsten Tagen noch fleißig diskutieren und dann noch bei uns Erwähnung finden werden.

20:40 Uhr – Warum brauchen Menschen bewegte Bilder? Kurz: sie bewegen. 

Dann begrüßt Knut Elstermann, der die Moderation führt, auch schon eilig (denn man hat etwas Verspätung) zunächst Angela Dorn, die hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst.

Bilder generieren ein Spiegelbild, das Menschen bewegt. Dinge, die manchmal unbequem sind und über die wir viel mehr sprechen sollten. Die Medien schaffen es, solche Dinge näherzubringen: wie die Dokumentation über die Auswirkungen der Klimakatastrophen. Die grüne Politikerin will, in der Kürze der Zeit, noch eine kleine Botschaft mitgeben. Nach ihr wird Karin Wolff an das Mikrofon gebeten. Sie vertritt den Kulturfonds Frankfurt RheinMain. Sie will besonders die junge Generation fördern und die mediale Vernetzung vorantreiben. Dabei schließt sie mit dem temporären Schwerpunkt des Kulturfonds: Erzählung.Macht.Identität. und noch bevor man Zeit hat um darüber nachzudenken, wird schon der nächste Sprecher nach vorne gebeten. Diesmal ist es der Vizepräsident der Buchmesse, Holger Volland, der die Sache ironisch kurz hält und bemerkt, dass er heute seit 15 Uhr bei jedem Termin auf der Buchmesse ein Gläschen Wein vor sich hatte… aber er schlägt sich noch tapfer! Die Lacher hat er auf seiner Seite.

Holger Volland, Vizepräsident der Frankfurter Buchmesse 2019 über die Kooperation von B3 und THE ARTS+
Holger Volland, Vizepräsident der Frankfurter Buchmesse 2019 über die Kooperation von B3 und THE ARTS+

20:50 Uhr – Jeder Tag sei ein Tag voller Merkwürdigkeiten.

Im globalen Weltgefüge: Wohin führen da die Wege der künstlerischen Positionen in den zeitbasierten Medien? Bernd Kracke betritt die Bühne. Er ist nicht nur langjähriger Präsident der Hochschule Offenbach und Mitbegründer der hessischen Film- und Medienakademie, sondern auch der künstlerische Leiter der B3 Biennale. Er sagt deutlich, dass alle diese Institutionen in ihre Substanz investieren wollen die man hier in der Region hat um das Fundament weiter zu fördern und auszubauen. So wagt die B3 Biennale nicht nur den Blick nach Norwegen – bekanntlich Gastland der Buchmesse 2019 – sondern sogar schon nach Kanada – Gastland 2020 – mit einem der Filme, die die nächsten Tage noch im Festivalkino laufen werden. (Wir werden berichten.) So gibt er auch hier einen kleinen, bewussten Ausblick in die Zukunft und weist auch noch einmal auf die Ausstellungshalle 4.1. in der Messe hin.

21:00 Uhr – Nun kann man sich aber ganz auf den Eröffnungsfilm konzentrieren.

Moderator Knut Elstermann (links) mit Produzentin Turid Øversveen (rechts) und den Schauspielern Jon Ranes und Sjur Vatne Brean (Mitte)
Moderator Knut Elstermann (links) mit Produzentin Turid Øversveen (rechts) und den Schauspielern Jon Ranes und Sjur Vatne Brean (Mitte)

Die Verfilmung von »Pferde stehlen« hat zwar seine Zeit gebraucht, wurde aber dafür bei der Weltpremiere auf der Berlinale gleich mit einem silbernen Bären ausgezeichnet und läuft nun als norwegischer Beitrag für den Auslands-Oscar. 

Das Film-Team wird auf die Bühne geholt. Knut Elstermann gibt Volldampf in seiner Moderation und begrüßt die Produzentin Turid Øversveen und die beiden Darsteller Jon Ranes und Sjur Vatne Brean. Turid Øversveen liebte die Romanvorlage von Per Petterson und hatte sich bereits 2006 die Rechte dafür gesichert. Sehr erfolgreich, wie sich jetzt erwiesen hat. Jon Ranes erzählt da fast schon bescheiden, bodenständig und stolz, dass er in dem Film alle seine Stunts selbst gemacht hat. Das Publikum raunt beeindruckt und die Produzentin scherzt, das die Versicherung da sehr erfreut gewesen ist. Schade, dass man bereits zu einem Ende kommen muss: Man hätte gerne noch mehr Geschichten in einem ruhigeren Gespräch gehört. Doch so wünschen sie noch eine gute Unterhaltung in das Publikum, bevor das Licht auch schon ausgeht und die Leinwand sich öffnet.

hFMA Netzreporter-Team:

Tina Waldeck (Redaktion, Text)

Rüdiger Pichler (Redaktion, Bild)

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Highlights der B3 und THE ARTS+ auf der Frankfurter Buchmesse 2019

Die Pressekonferenz in Bild und Ton.

Katja Böhne (Leiterin Marketing und Kommunikation der Frankfurter Buchmesse) und Wolfgang Bergmann, (Geschäftsführer, ARTE Deutschland) über die Kampagne CREATE YOUR REVOLUTION

Auf der Pressekonferenz der Frankfurter Buchmesse im Haus des Buches in Frankfurt am Main sprechen Katja Böhne (Leiterin Marketing und Kommunikation der Frankfurter Buchmesse) und Wolfgang Bergmann, (Geschäftsführer, ARTE Deutschland) über die Kampagne CREATE YOUR REVOLUTION.

Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Angela Dorn (Ministerin Wissenschaft und Kunst) und Prof. Bernd Kracke (Künstlerischer Leiter der B3) bestätigen die Kooperation zwischen Biennale Bewegtes Bild und THE ARTS+ auf der Frankfurter Buchmesse 2019.

Juergen Boos (Direktor der Frankfurter Buchmesse), Angela Dorn (Ministerin Wissenschaft und Kunst) und Prof. Bernd Kracke (Künstlerischer Leiter der B3) bestätigen die Kooperation zwischen Biennale Bewegtes Bild und THE ARTS+ auf der Frankfurter Buchmesse 2019.

Q&A: Antworten auf Fragen der Journalisten.
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Es regnet Nägel beim ADC am Kampnagel

Das ADC Festival in Hamburg hat auch 2019 wieder den Gewinnern aus der Kommunikations- und Designbranche den Grand Prix in Gold, Silber und Bronze verliehen.

Grand Prix Gold für DDB Group Germany mit “The Uncensored Playlist” im Auftrag von Reporter ohne Grenzen e.V in der Kategorie Film & Ton.

Die Gewinner der Award Show können sich wie schon im Jahr zuvor über eine gesondert gewürdigte Auszeichnung, den Grand Prix, freuen. Insgesamt vergaben die 27 ADC Jurys 47 Gold-, 104 Silber- und 180 Bronzenägel. 405 Jurymitglieder diskutierten zwei Tage lang angeregt unter der Leitung von Mirko Borsche (Hauptwettbewerb) und Ilona Klück (Junior Award), um die besten Einsendungen zu ermitteln und mit wertvollen Metall zu veredeln.

Eine Besonderheit in diesem Jahr ist unter anderem die Vergabe einer fünf-jährigen Jury Gastmitgliedschaft an die Gewinner der goldenen Nägel des ADC Junior Awards. Von nun an als Talent ADC bekannt, soll jungen Kreativen und ihrer Arbeit noch einmal gesondert Rechnung getragen werden. Davon erhofft man sich laut Aussagen des ADCs ebenfalls eine Verjüngung des Wettbewerbs und bessere Eingliederung in die Jury-Arbeit des ADC.

Als Gewinner des Grand Prix konnten folgende Agenturen überzeugen:

Interactive Media Foundation & Artificial Rome mit “100 Bauhaus – Das totale Tanz Theater” für Interactive Media Foundation in der Kategorie Digital.

Atelier Brückner mit “The Macallan ‘Visitor Experience’” für The Edrington Group in der Kategorie Event und Kommunikation im Raum.

Weitere Berichte und Meldungen über die Gewinner des ADC Festivals folgen ebenso auf unserer Webseite wie Hintergrundberichte und Interviews mit Keynote-Speakern.

Grand Prix Bild & Ton für THE UNCENSORED PLAYLIST im Auftrag von Reporter ohne Grenzen e.V., Agentur DDB Group Germany.

Tänzerin umgeben von Ringen. Grand Prix Digital für 100 Jahre Bauhaus

Grand Prix Digital für 100 Jahre Bauhaus „Das Totale Tanz Theater“ im Auftrag von Interactive Media Foundation, Agentur Interactive Media Foundation, Artificial Rome

 

THE MACALLAN Gebäude

Grand Prix Event und Kommunikation im Raum für THE MACALLAN „VISITOR EXPERIENCE“ im Auftrag von The Edrington Group, Agentur Atelier Brückner

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Beitrag von Tina Waldeck

DER Eröffnungsfilm der B3 Biennale 

Ut og stjæle hester | Pferde stehlen (2019) OmU

Der Film beginnt ruhig und poetisch. Plätscherndes Wasser. Nebel. Die Kamera, die von einer Idylle mit einer kleinen Hütte im Grünen aus der Vergangenheit in die Gegenwart schwenkt: Schatten und Dunkelheit. Kälte und Einsamkeit. 

Trond Sander, 67, ist hier in eine abgelegene Hütte gezogen. Wir beobachten, wie er sein Auto von den Schneemassen befreit. Beim Fahren damit kommt ihm später ein Lastwagen entgegen und nur knapp entkommt er einer Katastrophe. Eine Katastrophe, die schon einmal geschehen ist: Vor Jahren starb bei einem Autounfall seine Frau. Aus diesem Grund wollte er aus Oslo weg und alles hinter sich lassen. Doch die Erinnerungen kommen immer wieder hoch. Das nahe, in warmen Farben gehaltene Gesicht der Frau. Innig und geborgen. Und die Vergangenheit, die im Laufe des Films, immer wieder in seinen Träumen und Erinnerungen erscheinen wird. Die vergangene Wärme wird nun überdeckt von Schnee und Eis.

Stellan Skarsgård als Trond in Ut og stjæle hester | Pferde stehlen (2019)

Hier begegnet er Lars Haug (mit g), seinem Nachbarn hier oben, den er als einen alten Bekannten aus der Kindheit wieder erkennt. „Lars ist Lars“, so ist sich Trond sicher, auch wenn es anfangs noch nicht ausgesprochen wird. Im Sommerurlaub 1948 traf er diesen, als er seinen Vater in einer kleinen Hütte im Wald besuchte. Damals war er 15 Jahre alt.

Jon Ranes als junger Trond in Ut og stjæle hester | Pferde stehlen (2019)

Der Zuschauer erlebt es in nun immer wieder aufkommenden Rückblenden. Hier überragt die Natur. Der grüne Wald und die Felder am Fluss. Die intensiven Geräusche. Ameisen. Das Summen der Bienen. Ein guter Freund von ihm war der ältere Bruder von Lars: Jon. Die Freunde waren oft „Pferde stehlen“. Unsinn machen und zusammen Abenteuer erleben. Doch eines Tages war alles nicht mehr so wie sonst. Jon hatte sein Gewehr nicht dabei. Er war abwesend. Verzweifelt. Ein Sturm bricht los, der die Idylle streift. Die Geräusche werden noch intensiver. Der prasselnde Regen. Der Wind. Rückblende in der Rückblende. Die Geschwister von Jon, Odd und Lars, die in der Hütte spielen und dabei Jons Gewehr nehmen. Ein Schuss.

Sjur Vatne Brean in Ut og stjæle hester | Pferde stehlen (2019)
Sjur Vatne Brean als Jon in Ut og stjæle hester | Pferde stehlen (2019)

Ein fassungsloser Vater legt den toten Jungen auf das Bett und deckt ihn mit einem Tuch zu. Wie fühlt es sich an, das Ende? Trond versucht, es zu fühlen. Neben ihm: Ein junger, verzweifelter und schuldbewusster Lars. Und Jon, der danach einfach verschwinden und zur See fliehen wird. 

Sehnsucht und Begierde in Ut og stjæle hester | Pferde stehlen (2019)

Danach wird Jons Mutter ein immer wiederkehrender Blickpunkt in der Geschichte: Denn sie und ihr Mann helfen jetzt oft zur Ablenkung Tronds Vater beim Baumfällen. Dramatische Musik beim Einschlagen des Holzes. Sexuelle Andeutungen. Trond, der sich, noch unwissend, das erste Mal verliebt. Nachts hat er „feuchte Träume“: Jons Mutter rudert mit nassen Oberschenkeln stöhnend im Boot. Die Frau, die alles spaltet (auch die Rinde vom Baum). Wieder die Geräusche eines Gewitters. Und ein verhängnisvoller Unfall, als Jons Vater durch Tronds Vaters Unachtsamkeit schwer stürzt. Schmerzverzerrtes Gesicht, kehlige Geräusche. Er wird weggefahren und von da an nicht mehr gesehen. Ein Leben für das Leben des anderen? Sein Platz ist nun frei. Schnell gehen Tronds Vater und Jons Mutter einen gemeinsamen Weg. Sehr zum Verdruss des jungen Tronds: Denn am Ende des Sommers wird sein Vater nicht mehr mit ihm zu seiner Mutter zurückkehren.

In der Gegenwart sinniert Trond, wie das Leben eines anderen Menschen auf einen abfärben kann. Wie es prägt und man damit vielleicht zu einem Menschen wird, welcher man nicht sein möchte. Erst jetzt erzählt Lars ihm, dass er, nachdem Jon das Haus verlassen hatte, dessen Platz einnehmen musste. Wie er mit Jons Gewehr einen Hund erschießen musste. Wie er in seine Rolle hineingewachsen ist. Aber dann kam Jon wieder, als er 20 Jahre alt war, und übernahm: den Hof, das Zuhause, das Gewehr. Und diesmal ging Lars. Hierher. Er hat sie alle danach nie wieder gesehen. Genau wie Trond …

Fazit

Jeder Mensch entscheidet selbst, welchen Lebensweg er einschlägt und wo es ihm wehtut? Die abschließende Ironie dieser Feststellung von Trond ist: das keiner in diesem Film eigentlich bewusst etwas entscheidet. Jeder lässt sich treiben auf seinem Weg und nimmt die Dinge, die ihm begegnen einfach mal mehr oder mal weniger gut an. Nun könnte man in der filmischen Darstellung der Inhalte auch einfach einiges annehmen, was doch zu bemängeln wäre: So fällt die Darstellung der Frau in einigen Szenen doch recht unangenehm auf, wenn sie nur noch als ein Lustobjekt inszeniert wird, deren Schwerpunkte in ihrem blauen, halbtransparente, kurzen Kleid und den halb-animalischen Bewegungen liegen. Und der Mann, der Starke, der die Pferdestärken kontrolliert und bändigt? Die Rollenbilder sind, in ihrer Idylle, ein bisschen zum Verzweifeln und nicht unbedingt mehr zeitgemäß. 

Das Frauenbild in Ut og stjæle hester | Pferde stehlen (2019)

Die Inszenierungen sind lustvoll und in ihrer Ästhetik herausragend, was auch an der hervorragenden und feinfühligen Kameraarbeit von Rasmus Videbæk liegt, welcher zu Recht dafür mit einem silbernen Löwen gewürdigt wurde. Aber zwischen den ganzen sensiblen Nuancen in der Inszenierung, im Farbschemata und in der Lichtstimmung, sowie einer herausragenden Abmischung der Geräusche und der Musik: In den Bemühungen, die vielen kleinen und liebevollen Details der Romanvorlage von Per Petterson gerecht zu werden, geht leider der Fokus ein bisschen verloren, der am Ende einen Unterschied macht, welche Gefühle dem Zuschauer weitervermittelt werden sollen. Hier entscheidet auch jeder Film, welchen Weg er gehen will und wo es wehtut.

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Wie geht Erzählen heute?

Vom 15. bis 20. Oktober 2019 präsentierte sich die B3, die Biennale des bewegten Bildes, erstmals auf der Frankfurter Buchmesse. Neben einem umfangreichen Kinoprogramm war das Herzstück die Leitausstellung „Realities“ in Kooperation mit THE ARTS+ Future of Culture Festival, die spannende neue Erzählformate u.a. aus den Bereichen Film und VR zeigte.

Die Nähe zur Buchmesse scheint nicht von ungefähr zu kommen, suggeriert sie doch, es gebe die eine Königsklasse des Erzählens nicht mehr. Man muss sich bewusst machen, dass die Art zu erzählen über die Jahrtausende stets Wandlungen unterworfen gewesen ist: von der mündlich vorgetragenen Geschichte über die Schrift bis hin zum Bewegtbild. Die B3 gibt einen Einblick in die vielen möglichen Formen, des Schaffens neuer Realitäten über ihr Kinoprogramm und die Leitausstellung, zu der nicht nur zahlreiche Videoinstallationen und Angebote wie interaktive Webserien und -dokus zählen, sondern ebenso Möglichkeiten von Gamification:

Der VR-Park der B3

Videospiele sind mittlerweile zu einem ernstzunehmendem Medium mit vielfältigen Möglichkeiten des Storytelling und gewaltiger immersiver Kraft geworden und dies macht auch vor dem kleinen Bildschirm von Smart Devices nicht Halt: „Luther – Die Reise“ von Unger & Fiedler etwa kombiniert Gameplay und Storytelling, um dem User einen historisch korrekten Einblick in das Leben und Wirken des Reformators Martin Luther zu vermitteln. 1521 weigerte sich dieser, auf dem Wormser Reichstag seine Thesen zu widerrufen, woraufhin die Reichsacht über ihn verhängt wurde. Das Spiel inszeniert Luthers Flucht vor seinen Verfolgern hin zur schützenden Wartburg als eine Mischung aus „Die Sims“ und dem Treffen moralischer Entscheidungen. Der Spieler muss einerseits die menschlichen und seelischen Bedürfnisse von Luther und seinen Begleitern permanent im Blick haben, andererseits müssen unterwegs Begegnungen mit anderen Personen gelöst werden, auch auf die Gefahr hin, dass sich der Abstand zu den Verfolgern dramatisch verringert.

„Gymnasia“ holt den Schrecken aus der virtuellen in die reale Welt.
„Gymnasia“ holt den Schrecken aus der virtuellen in die reale Welt.

Die immersiven Erlebnisse und alternativen Realitäten des anschließenden VR-Parks hingegen laden dazu ein, sich seine eigene Geschichte zu schaffen. In „-22,7“ von Jan Kounen kann man sich der Unwirklichkeit des Polarkreises hingeben und die Kombination von Farben, Formen und Musik auf sich wirken lassen. So schreibt sich im Kopf eine eigene Geschichte fort. Andere Angebote geben spannende Einblicke in bislang unbekannte Lebenswelten und -wirklichkeiten und ermöglichen das Schauen über den Tellerrand. Ein besonders eindrückliches Erlebnis ist „Gymnasia“ von Chris Lavis und Maciek Szczerbowski. Man nimmt auf einem Drehstuhl Platz, setzt die VR-Brille auf und versinkt in einer unwirklichen, gespenstischen Welt. Langsam schälen sich die Wände eines verrotteten und seit langem aufgegebenen Ortes aus der Dunkelheit heraus. Von links fällt trübes Licht durch die Fenster knapp oberhalb der Decke. Eine alte Schulturnhalle, in der anscheinend seit Ewigkeiten kein Sportunterricht mehr gegeben wurde; auf dem abgenutzten Holzboden liegen ein paar Basketbälle, dazwischen Laub, vor Kopf hängt der einsame Basketballkorb, dahinter eine Bühne, im Halbdunkel sind die Umrisse eines Klaviers auszumachen. Plötzlich ein Geräusch von rechts, ruckartig fährt man herum, und die Tür an der Seitenwand, die gerade noch geschlossen war, steht jetzt offen und gibt den Blick in den dahinterliegenden Flur frei. Bewegungen sind auszumachen, etwas huscht zwischen den Räumen hin und her … Im nächsten Moment bewegen sich die Basketbälle, fahren hoch und schlagen laut vernehmlich auf den Hallenboden, werden schneller und springen immer höher, werden gedribbelt von den Erinnerungen an die Kinder, die einst diesem Ort Leben verliehen haben. An dieser Stelle noch mehr zu verraten, würde heißen, andere um ein einmaliges Erlebnis zu bringen.

„Gymnasia“ ist Paradebeispiel dafür, zu welch spannenden Erlebnissen VR bereits in der Lage ist und was man in Zukunft von dieser Technik wird erwarten können. Das Storytelling ist dabei einfach, aber effektiv und funktioniert mit wenigen Figuren und ohne Dialoge – entscheidend ist vor allem der Nutzer und das, was im Zuge des Betrachtens (und noch längere Zeit danach) im eigenen Kopf abspielt; wie man über die Geschichte dieses Ortes und die irritierenden Geschehnisse, die einem in rund sechs Minuten in dieser alternativen Realität widerfahren, nachsinnt. Zu hoffen ist, dass der Film in den kommenden Jahren immer mehr diese äußerst spannenden Möglichkeiten des Erzählens wahrnehmen wird. Auf der B3 zeigt sich, dass VR längst das Potenzial zu mehr als eindrucksvollen Tech-Demos und den aufregenden, aber oberflächlichen Reiz des Neuen hat. Wiederum trifft dies auf den Bereich Gaming zu, wo VR längst auf dem Vormarsch ist. Das Interesse des Publikums ist groß: Am Stand der Hochschule Darmstadt muss man nur das Headset aufsetzen und zwei Joysticks in die Hand nehmen und kommt aus dem Spielen gar nicht mehr heraus, während Umstehende das Geschehen wie gebannt auf einem Monitor verfolgen. Dass wir uns durch die neue Technik mittlerweile eine Vielzahl alternativer Realitäten schaffen können, zeigt auch Stefan Weil vom Frankfurter Atelier Markgraph in seinem Vortrag „Get real. What does reality mean today?“ eindrucksvoll.

Stefan Weil vom Atelier Markgraph bei seinem Vortrag „Get real. What does reality mean today?”
Stefan Weil vom Atelier Markgraph bei seinem Vortrag „Get real. What does reality mean today?”
Grace Glowicki, Signe Pahle, Turid Øversveen und Pier Nirandara diskutieren mit Nicole Ackermann über den Stand von Frauen in der Filmindustrie.
Grace Glowicki, Signe Pahle, Turid Øversveen und Pier Nirandara diskutieren mit Nicole Ackermann über den Stand von Frauen in der Filmindustrie.

Aber auch abseits neuer Technologien ist die Zukunft des Erzählens Thema einer Reihe verschiedener Podiumsgespräche und -diskussionen. Filmemacherinnen wie Grace Glowiciki, die auf der B3 ihren Film „Tito“ präsentiert, und Pier Nirandara diskutieren über den aktuellen Stand von Frauen in der Filmindustrie. Auch hier zeigt sich, dass die Art und Weise, wie und wovon Filme erzählen, in Zukunft noch Veränderungen unterworfen sein wird, denn bislang sind es vor allem noch die Männer, die Filme schreiben und inszenieren. Doch die Filmemacherinnen sind sich ihrer Verantwortung gerade dem weiblichen Publikum durchaus bewusst und dass es gilt, wegzudenken vom weißen Mann um die Vierzig als typischem Zuschauer. In weiteren Vorträgen wie  „New Stories: The Future of Storytelling in all Media Formats“ und „New Fomats: Media Experts Discuss the Future of Creative Output“ zeigt sich hingegen, dass in unserer schnelllebigen, digitalisierten Medien- und Social-Media-Gesellschaft die Art, wie Geschichten erzählt werden und wie diese inszeniert, produziert und promotet werden, aufgrund der heutigen Technologie zahlreichen Veränderungen unterworfen ist. Aber auch, wie und auf welchen Medien wir diese Geschichten konsumieren, verändert sich stetig. Film ist längst nicht mehr nur Kino, Film ist auch Netflix und Co. oder sogar ein paar Nummern „kleiner“: Film ist auch der dreiminütige Inhalt, den wir uns in der U-Bahn auf dem Bildschirm unseres Smartphones ansehen. Auch wenn unklar ist, wohin all diese Entwicklungen in Zukunft nun konkret gehen werden, festhalten lässt sich, dass Storytelling nach wie vor die Kombination aus Storys und Emotionen ist, d.h. die Dinge, die uns berühren und uns als menschliche Wesen ansprechen, sind immer noch vor die gleichen:  Es besteht immer noch Bedarf an fesselnden Geschichten und Charakteren. Wer medial gesehen immer nur am gleichen interessiert ist und sich auch – etwas platt gesagt – mit Netflix auf der Couch zufriedengibt, für den ist das Angebot der B3 vermutlich eher wenig geeignet. Die Kunst, die hier präsentiert wird, regt dazu an, neue Sichtweisen einzunehmen, sich aktuellen gesellschaftlichen Fragen zu stellen und sich auf die Möglichkeiten des bewegten Bildes voll einzulassen. Das ist durchaus herausfordernd und nicht immer einfach, spannend ist es allemal. Und dass es ein Publikum für diese Art von Stoffen und Möglichkeiten des Erzählens gibt, zeigt sich anhand der Besucher, die die Leitausstellung offen annehmen.

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hFMA NETZREPORTER at FRANKFURTER BUCHMESSE 2019

Was braucht die große Film- und Medienlandschaft Hessen?

hFMA NETZREPORTER-Interview mit Angela Dorn, Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst (rechts) und Anja Henningsmeyer, hFMA Geschäftsführerin (links)

Staatsministerin Angela Dorn über Mut, kreative Experimente, Kooperationen, neue Filmförderrichtlinien, mehr Frauen im Film, Zuhören, Anpacken, Entscheidungslust, begrenzte Budgets, Nachwuchsförderung, Schwerpunktsetzung, Potentiale, Zusammenarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst, neue Ideen, kluge Konzepte, gemeinsames Denken, Bekenntnis zum Standort Hessen und strukturiertere Vernetzung.

Prof. Rüdiger Pichler, Gründungsvorstand der Hessischen Film- und Medienakademie (hFMA) lauscht der Ministerin
Prof. Rüdiger Pichler, Gründungsvorstand der Hessischen Film- und Medienakademie (hFMA) lauscht der Ministerin

Angela Dorn, seit 18. Januar 2019 Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, spricht über ihre Ideen für die hessische Film- und Medienlandschaft und die Präsentation von B3 Biennale/THE ARTS+ auf der Frankfurter Buchmesse 2019.

Anja Henningsmeyer fordert mehr Frauen mit Mut in Führungsetagen
Anja Henningsmeyer fordert mehr Frauen mit Mut in Führungsetagen

Im Gespräch mit Anja Henningsmeyer, hFMA Geschäftsführerin, geht es um die Forderung nach mehr Frauen in Führungspositionen, Gender-Pay-Gap, Mut und Macht, Mangel an Größenwahn, Mut zum Scheitern, Mut zum Selbst und psychische Widerstandskraft als Erfolgsbegleiter auf dem Weg nach oben

Kamera und Ton: Felix Hück
Assistenz: Felipe Arias

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B3 zeichnet Steve McQueen aus

Die Biennale des Bewegten Bildes (B3) würdigt den Künstler, Fotograf und Regisseur Steve McQueen.


„Wie unsere bisherigen Preisträger ist auch Steve McQueen ein Künstler, der grenz- und genreüberschreitend wirkt“

Prof. Bernd Kracke in der Bergründung.





Steve McQueen

Den BEN, Hauptpreis der B3, in der Kategorie Most Influential Moving Image Artist  erhält 2019 der Brite Steve McQueen für sein Schaffen.
Die feierliche Preisverleihung findet im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt. Im Rahmen der Kooperation zwischen Frankfurter Buchmesse, THE ARTS+ und der B3 wird eine breites Spektrum an Arbeiten präsentiert. Prof. Bernd Kracke stellt die Auswahl der Arbeiten auf der Pressekonferenz vor.

Steve McQueen gewann 2008 für seinen Debütfilm HUNGER die Camera d’Or bei den Filmfestspielen in Cannes. Sein zweiter Spielfilm SHAME, mit Michael Fassbender und Carey Mulligan, gewann auf den Filmfestspielen in Venedig 2011 zwei Best Film Awards, während Michael Fassbender mit dem Volpi Cup als bester Schauspieler geehrt wurde. SHAME ist der kommerziell zweiterfolgreichste NC-17 Film in der Geschichte der USA.McQueen’s dritter Film 12 YEARS A SLAVE (2013) beruht auf den Lebenserinnerungen von Solomon Northup. Der Film erhielt zahlreiche Preise, u.a. drei Oscars, darunter die Auszeichnung für den Besten Film. 2018 veröffentlichte er seinen neuesten Spielfilm WIDOWS mit Viola Davis. Derzeit dreht McQueen für BBC One eine sechsteilige Serie über Londons westindische Community. Steve McQueen lebt und arbeitet in Amsterdam und London.

B3 BENDie B3 Biennale des bewegten Bildes zeichnet etablierte Künstler_innen und junge Talente mit dem international beachteten BEN Award aus. Ins Rennen um Haupt- und Nachwuchspreise gehen Werke von Künstler_innen der B3 Biennale, die sich besonders innovativ mit neuen Erzähltechniken auseinandersetzen. Eine international besetzte Jury kürt die besten Beiträge. Den Preis entworfen hat der südafrikanische Künstler Trevor Gould. 

B3 Biennale des bewegten BildesVeranstalter der B3 Biennale des bewegten Bildes ist die Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG). Träger der B3 ist das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMWK). Strategischer Partner der B3 ist THE ARTS+. Die B3 wird unterstützt von: Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Hessenfilm und Medien, Sylvia und Friedrich von Metzler, Kulturamt Stadt Frankfurt am Main, Wirtschaftsförderung Frankfurt, Creative Hub Frankfurt, experimente#digital – eine Kulturinitiative der Aventis Foundation, Cinema Frankfurt, Sparda Bank, AVMS Audio, Media und Service GmbH.
Kooperationspartner sind: Stiftung Digitale Spielkultur, hessen design, Storytek, muthmedia, hfma die netzreporter, Film London, Samsung, Creative Europe Desk NRW Media, Zürcher Hochschule der Künste (Studiengang Design), Geneva International Film Festival (Schweiz), Festival Du Nouveau Cinema (Montreal, Kanada), Phi Centre (Montreal, Kanada).

Aktuelle Informationen zu Programm und Teilnehmer_innen der B3.

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Künstler Jonathan Meese über Kreativität, Künstliche Intelligenz und Inspiration – ADC Festival 2019

Ein „Chefideologe der Kunst“ kommt zum Art Directors Club Festival mit dem Manifest Maschine K.U.N.S.T. und proklamiert in einer energiegeladen Performance die ‚Diktatur der Kunst‘. Wie immer ein bisschen dada – und für Uneingeweihte vielleicht eher gaga – brüllt er seine Ablehnung gegenüber Ideologie, Religion, Autorität und Politik regelrecht heraus.

“Tiere brauchen keine Ideologie, Babys brauchen keine Ideologie, Kinder auch nicht.”

Jonathan Meese auf dem Art Directors Club Festival 2019
Jonathan Meese auf dem Art Directors Club Festival 2019

Meese wird nächstes Jahr 50, und je älter er wird, desto dringlicher ist ihm das Anliegen, sich von Kunst völlig vereinnahmen zu lassen. Die öffentliche Figur Jonathan Meese spielt selbst leidenschaftlich gern mit überhöhten Konzepten, obsessiven Inszenierungen und provokanten Thesen. Ähnliches erwartet er auch von jungen Menschen, die Künstler sein wollen: sich völlig auf etwas einzulassen und alle Einflüsse von außen auszublenden. Kunst kann und darf für Meese alles. Wenn sich jungen Talenten profane Hürden wie das Einreichen einer Mappe mit eigenen Arbeiten in den Weg stellen, solle man diese nicht zu ernst nehmen.
Meese: „Ich finde sowas eigentlich beschissen. Kunst hat nichts mit Abstimmung zu tun oder mit Auswahlverfahren. Ich habe auch eine Mappe an der Kunsthochschule abgegeben. Das ist Kitsch, das ist natürlich nicht Kunst. Es bedeutet nichts. Das muss man dann halt machen – wenn man es mit Humor nimmt, ist es okay“.

„Maschinen können keine Ideologie produzieren.”

Kunst sei die Zukunft, „wie ein Meteor, ein Blitzschlag“. Events wie das ADC Festival seien eine Plattform, eine Art „Intermezzo“, aber dennoch „mit Liebe gemacht und mit tollen Leuten“. Nur „jemandem in den Arsch kriechen“ sollte man gerade als junger Mensch mit künstlerischen Aspirationen nicht. Man müsse sein Ding machen, sich ganz auf etwas einlassen. Meese: „Inspiration gibt es überall. Ich finde überall Inspiration“.

Und Künstliche Intelligenz? Die ist für ihn immer ideologiefrei. Deswegen dürfe man auch keine Angst davor haben. „Maschinen können keine Ideologie produzieren. Unmöglich. Wird auch nie passieren. Solange man sich nicht von Ideologie blockieren lässt, kann jeder Künstler sein“.

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