Was sonst noch so geschah… Geschichten über Promis und andere Menschen

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Teil 1, So. 12.02.17

*** Richard Gere: unerreichbar, Emilia Schüle: unterkühlt, Axel Stein: unschlüssig ABER vier(!) Netzreporter-Einwegkameras unterwegs ***

Vom Versuch, die Prominenz zu erreichen

Seit vier Tagen bin ich nun mit den Netzreportern auf der Berlinale unterwegs. Naja, unterwegs ist etwas zu viel gesagt, bisher haben wir uns fast nur in und um unser Apartment bewegt (was nicht schwer ist mit Matrix, Watergate, dem berühmten Burgermeister und … Lidl um die Ecke). Wir haben viel gefilmt, lange geschnitten und abends die Clubs gerockt.

Doch als ich heute vom Social Media Team interviewt wurde und sie mich nach meinem bisherigen Highlight auf der Berlinale gefragt haben, waren es nicht die krassen Partys, die mir sofort eingefallen sind, sondern folgendes Erlebnis:
Mit einem Rucksack voller Einwegkameras, denen wir vorher einen Netzreporter Look verpasst und sie mit unseren Logos beklebt haben, haben wir die Aftershow Promi Party “Place to B” im Borchardt angesteuert. Nachdem wir, dem kalten Ostwind ausgesetzt, erst einmal minutenlang in die falsche Richtung gelaufen sind (Vorsicht: Friedrichstraße ungleich Französische Straße), haben wir endlich den roten Teppich erreicht. Mit allem Drum und Dran: Schicke Autos, highest High Heels, Blitzlichtgewitter, Journalisten, einem Pferd und natürlich den Stars. Das mit dem Pferd ist kein Witz, eine sehr leicht bekleidete und mit Sicherheit nur durch die Wärme des Tieres später noch zeugungsfähige Emilia Schüle (Rock It!, Freche Mädchen) ist so durch die Pforten des “Nobelrestaurants” geschritten.* Eine unserer Kameras wollte sie leider nicht nehmen. Auch Richard Gere war außer Reichweite und nur für zwei Sekunden auf dem Weg vom Auto in die Hintertür zu sehen. Doch nach dem etwas zähen Anlauf ist die Aktion so richtig in Fahrt gekommen…
Zunächst haben wir die Gäste direkt am Eingang abgefangen. Ein uns unbekannter, aber viel fotografierter, also wichtiger (?) Mann hat sich der ersten Kamera angenommen. Er wollte sie gleich wiederbringen, ist dann aber verschwunden…Umso besser, so war die erste Kamera eingeschleust…Dann haben wir es von der anderen Seite probiert. Während andere frierende verrückte Menschen im Fanblock auf Autogrammjagd waren, haben wir zwei weitere nette Abnehmer für Kamera Nummer Zwei und Drei gefunden, nachdem David Kross (Krabat, Der Vorleser) und Florian David (Männerherzen, Vincent will Meer) ein Selfie für uns gemacht haben. Fotos sind außerdem von und mit Axel Stein entstanden, der mich, nachdem ich ihm in meinem übermütigen Tatendrang direkt die Kamera in die Hand gedrückt und den Auftrag erteilt habe “nimm sie mit dir und mache Fotos!”, lehrte, erstmal “Bitte” zu sagen. Gesagt, getan, Selfie mit Axel, bedankt! Aber Selfies kann ja jeder. Wir brauchten also noch mehr Kameras hinter verschlossenen Türen. Das Problem bei solchen Sachen ist es, überhaupt Aufmerksamkeit zu generieren, dann das Projekt zu erklären, um schließlich die Kamera loszuwerden. Geklappt hat es zum krönenden Abschluss bei Mariella Ahrens und ihrem Freund Sebastian Esser. Aus exponierter Lage schrie ich “Sebastian, Sebastian” (das taten alle, also wird er wohl so heißen, dachte ich bei mir). Und tatsächlich, er erhörte mich, ich schmiss die letzte Kamera in seine Richtung und schrie ihm die Idee zu… die beiden waren überrascht, die Reporter interessiert, die Fans erfreut und unsere Arbeit war vorerst getan!
Dann hieß es abwarten und Daumen drücken, dass unsere Kameras es irgendwann zu uns zurück schaffen!

*Die Netzreporter sind Tierliebhaber und halten so eine Aktion auf keinen Fall für angebracht.

Axel Stein

Axel Stein

Veri in Action

Veri in Action

Mariella Ahrens

Mariella Ahrens

Beitrag von Verana Mans

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BETS IT! statt BREXIT

Berlinale 2017 – Wer zu den Briten geht, fühlt sich in diesen Tagen vielleicht ein wenig befangen. Schließlich kann man sich als Kontinental-Europäer nicht ganz sicher sein, wie sehr man bei den Inselbewohnern noch willkommen ist. Ganz anders bei BETS, dem British European Talent Screening in der Britischen Botschaft zu Berlin. Hier ist von Vorbehalten und Unsicherheit nichts zu spüren. Hier erlebt man lebendigen internationalen Austausch und positiven Wettstreit von jungen Talenten mit frischen Filmideen für Europa und den Rest der Welt.

Besonderen Grund zur Freude haben Philipp Drehmann, Marco Huelser. Mit Auszeichnung und Preisgeld im Gepäck kehren die Studierende der Hochschule Darmstadt und der Kunsthochschule Kassel nach Hause.

BETS wurde 2016 ins Leben gerufen, um Brücken zu bauen. Brücken zwischen jungen Talenten und erfahrenen Branchenkennern. Brücken zwischen Großbritannien und Deutschland. Brücken zwischen unbegrenzter Kreativität junger Filmschaffender und der anspruchsvollen Realität des Filmgeschäfts. Lieber gemeinsam – statt einsam: Dieser Geist ist weithin zu spüren.

150 Gäste, 10 hochkarätige Expertenbeiträge, 13 studentische Präsentationen – was in Zahlen ausgedrückt zu den kleineren Veranstaltungen rund um die Berlinale gehört, feiert in diesem Jahr besondere Premiere. Erstmals kooperieren britische und europäische Partner. In allen drei Programmpunkten, dem BETS Forum, BETS Pitching und BETS Screening, gelingt es vorbehaltlos länderübergreifende Kontakte zu knüpfen und stärken.

 BETS Forum, BETS Pitching und BETS Screening

Beim BETS Forum geht es in hochkarätigen Vorträgen um aktuelle internationale Entwicklungen. Im Mittelpunkt stehen diesmal wirtschaftliche Trends in Finanzierung, Vermarktung und Verkauf. Die Referenten geben profundes Insider-Wissen an die Teilnehmenden weiter. „Man darf nicht ganz naiv in die Welt gehen,“ so BETS Gründer und Veranstalter William Peschek. Beim Filmemachen endet der kreative Part nicht nach der Produktion. Für Einsteiger ist es besonders wichtig, sich überlegenes Wissen anzueignen und eine persönliche Beziehung zum Filmmarkt herzustellen.

Chancen besser nutzen als andere.

Nach dem BETS Forum folgen die BETS Pitches und Screenings. Insgesamt stellen sich 13 studentische Teams von Hochschulen aus Großbritannien und Deutschland vor. Zwei Awards hat die achtköpfige Jury zu vergeben, die unter anderem aus Mitarbeiterinnen vom Sundance Film Institute, dem Chicago Film Festival sowie HessenFilm & Medien besteht. Ausgezeichnet werden die Filme „8.31“ (1500 Euro) und „Masala Chai“ (1000 Euro) von der Hochschule Darmstadt und die Kunsthochschule Kassel mit „Alchemy“ (500 Euro).

Beziehungen aufbauen und pflegen ist der Schlüssel zum Erfolg.

BETS kann für viele ein Anfang zu wunderbaren Beziehungen sein. „Man weiß nie, wo andere landen oder in welche interessante Positionen sie kommen“, so William Peschek. Umso wichtiger sei es, sein Netzwerk aufzubauen und stets zu pflegen. „Wir leben in einer Zeit, in der das mehr und mehr verlangt wird.“

Text von Denise Rohrmeier

Veröffentlicht am 25.02.2017

Das British European Talent Screening ist ein Empfang, der jungen Talenten aus Großbritannien und Deutschland die Chance gibt ihre Filmideen einer Jury vorzustellen. Durch die Pitches soll Unterstützung für die Filme gewonnen werden.

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Mehr Informationen über die hFMA Netzreporter:
https://hfmanetzreporter.wordpress.com
https://www.facebook.com/die.hfma.net…
https://twitter.com/hfmanetzreport
https://www.instagram.com/hfmanetzrep…

Gesamtleitung: Prof. Rüdiger Pichler

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Der Hype um Tiger Girl – „Jeder ist ein bisschen Tiger und ein bisschen Vanilla“

Maria Dragus und Ella Rumpf in Tiger Girl, Regie: Jakob Lass © 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Fogma

Maria Dragus und Ella Rumpf in Tiger Girl, Regie: Jakob Lass
© 2017 Constantin Film Verleih GmbH / Fogma

Tiger trifft Vanilla. Vanilla, ambitioniert aber wenig talentiert, hat gerade den Aufnahmetest bei der Polizeischule versemmelt und besucht stattdessen die Schule eines privaten Sicherheitsdienstes. Tiger, wenig ambitioniert, aber talentiert, hält sich mit möglichst wenig Arbeit über Wasser. Sie knöpft Leuten Geld für einen eigentlich kostenlosen Parkplatz ab, fährt gelegentlich Taxi und rettet Vanilla nebenbei zweimal aus einer unguten Situation mit aufdringlichen Typen. Gegensätzlicher könnten Tiger und Vanilla also nicht sein, und es entwickelt eine Freundschaft mit Höhen und vorprogrammierten Abstürzen.

In Tiger Girl von Regisseur Jakob Lass und Autorin Ines Schiller kämpfen zwei junge Frauen auf unterschiedlichste Weise mit ihrer Umwelt. Tiger (Ella Trumpf) mit ihren Fäusten, Vanilla (Maria-Victoria Dragus), die eigentlich Margarethe oder Maggie heißt, mit ihrer Höflichkeit. Bis die beiden sich treffen. Bis die beiden in der jeweils anderen das zu finden scheinen, was sie in sich nicht finden können. Vanilla, die dazugehören will, nicht auffallen will, von allen gemocht werden will. Tiger, die in einem Campervan haust und auf ihre Freunde in deren illegalen Quartier auf dem Dachboden eines Hauses aufpasst, Tiger, die sich nimmt was sie will und die mit Drogen nichts am Hut haben will.

Schock und Faszination

Es treffen zwei Wesen, zwei Welten aufeinander, die bald nicht mehr mit und nicht mehr ohne einander können. Die Charaktere entwickeln sich zusammen in gegensätzliche Richtungen, aus Vanilla wird ein Tiger Girl, aus Tiger Girl eine (Art) Vanilla. Oder gibt es am Ende gar nur eine von beiden? Und wenn ja, welche?

Das Netzreporter-Fazit: Tiger Girl ist ein dynamischer, explosiver, bunter und vor allem stilvoller Film. Die Charaktere sind klar gezeichnet, aber nicht überzeichnet. Jakob Lass schafft es, spontane Kung-Fu-Szenen zwischen Tiger und einer PR-Verantwortlichen inmitten einer Kunstausstellung zwar absurd und überhöht, aber nicht fehl am Platze darzustellen. Ihm gelingt es auch, Vanillas Verwandlung vom höflichen Mauerblümchen in eine brutale, rücksichtslose Schlägerin so zeichnen, dass der Zuschauer gleichermaßen schockiert wie fasziniert ist. Filmtipp!

„Leinwandgold“

Produzent und Komponist Golo Schultz im hFMA Netzreporter-Interview über die Message von Tiger Girl: „Der Film Tiger Girl hat viel mit Respekt zu tun. Er will ein Zeichen setzen dafür, dass wir, selbst wenn wir uns streiten, uns trotzdem respektieren und zuhören sollten. Man kann sich auch mal eine runterhauen, aber danach sollte man wieder Freunde sein.“

Tiger Girl arbeite stark mit dem Gefühl der Ohnmacht im Leben, damit, dass man wieder mehr rauskommen und seine Meinung sagen müsse, so Schultz weiter. „Dafür haben wir zwei ganz unterschiedliche Darstellerinnen genommen, die eine ist ganz schüchtern, die andere eher rockig und punkig. Gespielt werden die beiden von Maria Dragus (Vanilla) und Ella Trumpf (Tiger). Die beiden kannten sich schon vor dem Film und waren gut befreundet. Diese Paarung war für uns einfach Leinwandgold“, sagt er.

Die Tatsache, dass die beiden Hauptdarstellerinnen so viel Authentizität ausstrahlen, habe „am Ende ganz viel mit Liebe zu tun“, sagt Schultz. „Man muss die Schauspieler und die Figuren lieben, und das schon beim Schreiben. Jakob (Lass), der Regisseur, und Ines (Schiller), die Autorin, haben beide ein wahnsinniges Gespür für die Figuren. Es ist wichtig, diese Liebe weiterzugeben. Wenn das über die Leinwand rüberkommt, wird das Wilde charmant, die Gewalt bleibt aufregend. Denn jeder ist ein bisschen Tiger und jeder ein bisschen Vanilla“, sagt Schultz.

Tiger Girl läuft am 6. April bundesweit in den Kinos an.

Hier geht’s zum Interview mit Produzent Golo Schultz.

Text & Interview: Lisa Klein

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Die hFMA Netzreporter auf Logan Premiere @ Berlinale 2017

Die hFMA Netzreporter waren bei der Premiere des Marvel Films Logan live auf dem Roten Teppich. Sie berichteten in der Kälte vom neuen und letzten Wolverine Film.

Mehr über die hFMA Netzreporter:
https://hfmanetzreporter.wordpress.com
https://twitter.com/hfmanetzreport
https://www.facebook.com/die.hfma.net…
https://www.instagram.com/hfmanetzrep…

Kamera & Schnitt: Julian Gerchow
Kamera: Jiyeon Cha
Moderation: Nils Bilse

 

 

 

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Back to the roots – Mando Diao rocken Berlin live

 

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Samstagabend, der 11 Februar 2017, 19.30 Uhr, mitten in Berlin. Vor dem Berliner SchwuZ hat sich bereits eine kurze Schlange von Menschen gebildet, als ein kleines Team von Netzreportern sich hinten einreiht. Es ist bitterkalt, ein eisiger Wind weht durch die Straßen. Die Fans der Band Mando Diao, die dort gespannt auf Einlass zum Konzert warten, welches erst in 90 Minuten beginnen soll, schreckt die Kälte nicht ab. Sie erhoffen sich Plätze ganz vorne, nah an Björn Dixgard und dem Rest der Band.

Der Eintritt ist kostenlos, rein kommt nur wer das Glück hatte im Vorfeld einen der Gästelistenplätze zu ergattern. So funktioniert das Prinzip von Berlin live, einer Konzertreihe von arte. Die Konzerte werden dabei aufgezeichnet und anschließend im TV ausgestrahlt. Die Besucher können also damit rechnen, dass es voll wird. Doch wie voll es wirklich wird, das war vorher nicht zu erahnen: Es vergehen nur wenige Minuten, ehe die Wartenden bereits meterweit entlang der Straße Schlange stehen.

20.15 Uhr, die Türen zum SchwuZ öffnen sich. Heraus strömen Besucher des Konzertes, welches kurz zuvor stattgefunden hat. Die Ungeduld der Wartenden steigt merklich. Eine gefühlte Ewigkeit später beginnt dann auch der Einlass für Mando Diao, Ausweise werden kontrolliert, Namen auf der Gästeliste abgehakt und Stempel mit dem Logo des Clubs auf kalte Hände gedrückt. Und wieder heißt es warten.

Knapp eine Dreiviertelstunde später, es ist zwischenzeitlich 21 Uhr, hat das Warten endlich ein Ende. Die Türsteher entlassen das Publikum in die bunte Welt des SchwuZ. Vorbei an Sektbars, Karaokesälen und Tanzflächen geht es bis in den größten Saal, in dem das Konzert stattfinden soll. Die Rechnung „früh kommen heißt weit vorne stehen“ geht leider nicht für jeden auf, der ein oder andere sucht eine Weile, ehe der richtige Ort gefunden ist. Zwischenzeitlich ist der Konzertsaal brechend voll, ein Hineinkommen kaum noch möglich. Wer hat Angst vor engen Orten hat, ist hier fehl am Platz.

Kaum, dass die Fans sich im vollen Saal einigermaßen sortiert haben, stürmt die Band die Bühne. Freudiges jubeln, tosender Applaus. Neue Lieder hätten sie mitgebracht und ein neues Album sei auf dem Weg. Bereits das erste Lied „Break Us“ ist eines davon. Begeisterung pur im Publikum – es ist rockig, es ist laut, es macht Spaß! Auch im weiteren Verlauf des Konzertes zeigt sich: Mando Diao kehrt nach den Synthesizerklängen der letzten Jahre zurück zu seinen Wurzeln. Dabei dürfen natürlich auch Klassiker wie „Gloria“, „Mr. Moon“ und „Ochrasy“ nicht fehlen. Letzten nutzt Dixgard, um auf die instabile Lage auf der Welt hinzuweisen und um Frieden zu bitten. Auf diese kurze ruhige Phase folgt schließlich „Dance with Somebody“ – das Publikum tobt.

22.30 Uhr: Nach eineinhalb Stunden, 14 Liedern und einer Zugabe mit zwei weiteren neuen Songs, „Good Times“ und „Shake“, ist das Konzert dann auch schon vorbei. Ein voller Erfolg. Das Publikum ist trotz der schlechten Sicht und Enge des Saales glücklich und zufrieden, der Großteil feiert bei der anschließenden Berlinale Party bis in den frühen Morgen hinein. Bleibt nur noch, mit Spannung auf die TV-Ausstrahlung zu warten um das Konzert noch einmal erleben zu können – dann aber aus erster Reihe!

 

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Text: Janina Schwalb

Fotos: Lisa Klein

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Europäischer Filmmarkt als Sprungbrett für Talente

Führung durch den EFM: Jessica Landt (2. v. l.) mit den HESSEN TALENTS (v. l. n. r.) Denis Carbone, Joey Arand, Holger Jenss, Nicolas Kronauer

Führung durch den EFM: Jessica Landt (2. v. l.) mit den HESSEN TALENTS (v. l. n. r.) Denis Carbone, Joey Arand, Holger Jenss, Nicolas Kronauer

„Ihr müsst Geld mit euren Werken verdienen, ohne dabei die Liebe und Kraft für das Medium zu verlieren“, sagt Produzentin Jessica Landt. Die Inhaberin von Beleza Film, einer erfolgreichen Produktionsfirma aus Hamburg, führt die HESSEN TALENTS durch den European Film Market (EFM). Unter der Glaskuppel des Martin-Gropius-Baus versammeln sich 543 Aussteller aus über 100 Ländern.

Mit 9200 Fachbesucher zählt die EFM zu den wichtigsten Filmmarktplätzen weltweit. Über 780 Filme werden in über 1000 Screenings den internationalen Einkäufern präsentiert. Mittendrin die 13 Filmbeiträge der HESSEN TALENTS. Das sind Studierende  der Hochschule Darmstadt, der Kunsthochschule Kassel und der Hochschule RheinMain in Wiesbaden sowie der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Ihre Kurzfilme werden unter dem Dach der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA) auf den EFM-Screenings präsentiert. Die hFMA Netzreporter haben die HESSEN TALENTS auf ihrer EFM-Tour begleitet.

Plakate schmücken die Wände. Aussteller reiht sich an Aussteller. Zwischen den verzierten Säulen herrscht eine geschäftige Atmosphäre. Der Glamour der Berlinale rückt auf dem EFM trotz der eleganten Umgebung in den Hintergrund. Verleiher, Produzenten sowie Ein- und Verkäufer und Finanziers tauschen Informationen zu neuesten Produktionen und Entwicklungen der Filmwelt aus. Neben dem Netzwerken geht es vor allem ums Geschäft. Verträge einfädeln, Verträge aushandeln, Verträge unterschreiben. Manchmal gibt es sie noch, die berühmten Deals auf Café-Servietten.

Informationen sammeln und Termine vereinbaren

„Junge Filmemacher sollten sich über den EFM rechtzeitig informieren, wenn sie Leute für ihren Film interessieren und Termine mit den entsprechenden Ansprechpartnern der Companys ausmachen wollen“, empfiehlt Landt. Dabei müssen sie sich folgende Fragen stellen: Welche Ausrichtung hat welcher Weltvertrieb? Zu welchem der Vertriebe passt mein Film? Welche Förderungen gibt es? Wer ist der Ansprechpartner? Auf dem EFM selbst geht es darum, neue Kontakte zu knüpfen oder bestehende Netzwerke zu pflegen.

Ideen visualisieren und präsentieren

Schon in der Produktion, so Landt, müssen Filmschaffende daran denken, hochwertige Set-Fotos, Stills und Visualisierung ihrer Filme herzustellen. „Die Fotos müssen die Seele des Films widerspiegeln.“ Die Bilder können zum Beispiel der Fokus eines One-Papers sein. Landt nimmt das Exemplar von „Tiger Girl“ in die Hand und zeigt es den HESSEN TALENTS. Dieses beinhaltet eine kurze Zusammenfassung des Films, Informationen über die Beteiligten des Projekts und kurze Fakten wie Titel, Genre und Dauer, Status des Projekts und Sprache. Außerdem hat das One-Paper einen QR-Code, der zum Trailer und weiteren Informationen führt. Solche Werbematerialien können die Künstler zu Terminen mitbringen und präsentieren. „Mit ansprechenden, visualisierten Ideen bleibt man den Leuten auf dem EFM in Erinnerung“, sagt Landt, „mehr als mit einer einzelnen E-Mail.“ Markt-Neulinge müssen einen guten Mittelweg finden: „Steter Tropfen höhlt den Stein – man darf den Leuten aber nicht auf die Nerven gehen.“

Bewerbungen für Filmförderungen einreichen – aber richtig!

Zeit nimmt sich Landt, um den Stand von German Films vorzustellen. Dieser ist ein Informations- und Beratungszentrum für den weltweiten Export deutscher Dokumentar-, Spiel- und Fernseh- sowie Kurzfilme. Filmemacher, die einen deutschen Film auf einem internationalen Festival präsentieren, können sich hier bewerben, um zum Beispiel eine Reisekosten-Rückerstattung oder Geld für ein Digital Cinema Package (DCP) zu erhalten.

Es gibt aber auch weitere Anlaufstationen, wie hFMA-Geschäftsführerin Anja Henningsmeyer ergänzt: „Die hFMA ist Mitglied bei der AG Kurzfilm – da könnt ihr euch auch um eine finanzielle Unterstützung bewerben.“

Auch bei der Bewerbung um eine Förderung ist gute Vorbereitung und Timing das A und O. Die erfahrene Produzentin Jessica Landt empfiehlt: „Tauscht euch mit Leuten aus, die schon öfter etwas eingereicht haben, und erkundigt euch bei den jeweiligen Unternehmen. Lieber habt ihr einmal zu viel gefragt als wegen Formfehlern abgelehnt zu werden!“ Zudem gibt es Seminare für Filmschaffende, um Tipps für Einreichungen zu bekommen.

„Filmemacher – nutzt eure Chancen“ 

Den Überblick auf dem EFM zu behalten, ist nicht leicht – vor allem nicht für Neulinge in der Filmbranche. „Es war gut, eine individuelle Führung über den EFM zu bekommen“, sagt Arianna Waldner Bingemer, eines der HESSEN TALENTS. „Wir lernen langsam die Leute kennen und wissen, wer wo dazugehört.“ Neben Erfahrungen hat sie einige Visitenkarte und Kontakte gesammelt. „Film ist ein hartes Geschäft“, sagt HESSEN TALENT Holger Jenss schmunzelnd, „aber es gibt auf jeden Fall viele individuelle Möglichkeiten für jede Art von Film, da muss kein Filmemacher entmutigt sein.“

Mehr Tipps für junge Filmemacher gibts hier.

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Beitrag von Laura Böhner

Bilder von Laura Böhner & Horst Martin

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Die Grande Dame des European Film Marktes im Netzreporter-Interview

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Am Ende geht es ums Geschäft. Der European Film Market (EFM) gehört zur Berlinale wie der Rote Teppich, die Schauspieler und die Kinofilme. Er ist der Treffpunkt für Filmschaffende und Filmverleiher schlechthin. Hier entscheidet sich, welcher Film überhaupt in die Kinos kommt, und welcher vielleicht nie ein breites Publikum sehen wird.

Im Martin-Gropius-Bau finden sich Menschen neun Tage lang aus aller Welt zusammen, suchen ihresgleichen oder das passende Gegenstück: Produzenten suchen Koproduzenten, Filmemacher suchen Verleiher, Verleiher suchen die besten Filme für ihren nationalen Markt.

„Ich wurde ins kalte Wasser geworfen“

Die Präsidentin, die Grande Dame des EFM, ist Beki Probst. Sie kennt den Markt wie keine andere. 26 Jahre leitete sie die Geschicke des Marktes, bevor sie 2014 zur Präsidentin ernannt wurde. Sie war es, die die kleine Filmmesse auf die internationale Bühne hob, wie sie den hFMA Netzreportern im Interview erzählt:

„Ich war in der Schweizer Filmfestivalbranche tätig, als mich der damalige Chef der Berlinale fragte, ob ich nicht die Filmmesse der Berlinale leiten wollte. Ich wurde ins kalte Wasser geworfen, am Anfang waren wir nur zu dritt. Die erste Messe fand im Bikinihaus Berlin statt, zusätzlich hatten wir Kinos im Zoo und neun kleine Studios im CineCenter. Als erstes änderte ich den Namen, denn ‚Messe‘ klang für mich so nach Möbel- oder Teppichmesse. Es gab einen American Film Market, da benannte ich unseren Markt in European Film Market um.“

Seitdem expandiert der Markt. Dieses Jahr sind mehr als 540 Aussteller aus über 100 Ländern vertreten. Noch wichtiger: Über 700 produzierte Filme hoffen auf dem EFM auf einen Verleiher. Unzählige, noch nicht verfilmte Ideen werden vertieft. Die Herausforderung sei es, sagt Probst, eine funktionierende Infrastruktur für die Menschen zu schaffen, die Filme machen, kaufen oder verkaufen, produzieren oder finanzieren.

European Film Market als Kontaktbörse

„Ich mache die Filme nicht selber, aber ich muss diese Struktur schaffen und nebenher aufpassen, dass wir nicht schlafen in einer Welt, die sich irre irre schnell verändert. Ich muss mich informieren, um mit diesen Neuigkeiten Schritt zu halten.“ Ob ein Markt erfolgreich ist, lässt sich nicht in Geld oder Profit messen.

„Neben dem Berlinale Festival ist der EFM eine Kontaktbörse, er bringt Menschen zusammen. Menschen, die ein gutes Buch gelesen haben und es verfilmen wollen, und dafür die richtigen Leute suchen. Filmverleiher, die gute Filme suchen. Menschen, die für ihre Projekte Finanzierung suchen. Diese Menschen bringen wir zusammen. Wenn wir in den Tagen des Marktes gute Filme verkaufen, wenn gute Kontakte entstehen für die Filme die noch kommen, dann war der Markt erfolgreich“, erklärt Probst.

Jungen Filmemachern rät sie: „Ein Film ist wirklich erfolgreich, wenn er eine gute Geschichte hat. Wobei das sehr subjektiv ist, der eine will lachen, der andre will weinen, aber allgemein gilt, eine gute Geschichte ist eine Geschichte, die Leute berührt.“

Probst wurde in Istanbul geboren und studierte Jura und Journalismus. Heute lebt sie in der Schweiz.

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Beki Probst & Alain Berset (Schweizer Bundesrat)

Beki Probst & Alain Berset (Schweizer Bundesrat)

Die Netzreporter begleiteten Madame Probst und Alain Berset, Schweizer Bundesrat, bei seinem Rundgang und Standbesuch bei Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und Mexiko. Er will den gegenseitigen Austausch zwischen der Schweiz und diesen Ländern in der Filmbranche stärken.

Text/Fotos: Lisa Klein, Interview hat geführt: Gentjana

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