Europäischer Filmmarkt als Sprungbrett für Talente

Führung durch den EFM: Jessica Landt (2. v. l.) mit den HESSEN TALENTS (v. l. n. r.) Denis Carbone, Joey Arand, Holger Jenss, Nicolas Kronauer

Führung durch den EFM: Jessica Landt (2. v. l.) mit den HESSEN TALENTS (v. l. n. r.) Denis Carbone, Joey Arand, Holger Jenss, Nicolas Kronauer

„Ihr müsst Geld mit euren Werken verdienen, ohne dabei die Liebe und Kraft für das Medium zu verlieren“, sagt Produzentin Jessica Landt. Die Inhaberin von Beleza Film, einer erfolgreichen Produktionsfirma aus Hamburg, führt die HESSEN TALENTS durch den European Film Market (EFM). Unter der Glaskuppel des Martin-Gropius-Baus versammeln sich 543 Aussteller aus über 100 Ländern.

Mit 9200 Fachbesucher zählt die EFM zu den wichtigsten Filmmarktplätzen weltweit. Über 780 Filme werden in über 1000 Screenings den internationalen Einkäufern präsentiert. Mittendrin die 13 Filmbeiträge der HESSEN TALENTS. Das sind Studierende  der Hochschule Darmstadt, der Kunsthochschule Kassel und der Hochschule RheinMain in Wiesbaden sowie der Hochschule für Gestaltung Offenbach. Ihre Kurzfilme werden unter dem Dach der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA) auf den EFM-Screenings präsentiert. Die hFMA Netzreporter haben die HESSEN TALENTS auf ihrer EFM-Tour begleitet.

Plakate schmücken die Wände. Aussteller reiht sich an Aussteller. Zwischen den verzierten Säulen herrscht eine geschäftige Atmosphäre. Der Glamour der Berlinale rückt auf dem EFM trotz der eleganten Umgebung in den Hintergrund. Verleiher, Produzenten sowie Ein- und Verkäufer und Finanziers tauschen Informationen zu neuesten Produktionen und Entwicklungen der Filmwelt aus. Neben dem Netzwerken geht es vor allem ums Geschäft. Verträge einfädeln, Verträge aushandeln, Verträge unterschreiben. Manchmal gibt es sie noch, die berühmten Deals auf Café-Servietten.

Informationen sammeln und Termine vereinbaren

„Junge Filmemacher sollten sich über den EFM rechtzeitig informieren, wenn sie Leute für ihren Film interessieren und Termine mit den entsprechenden Ansprechpartnern der Companys ausmachen wollen“, empfiehlt Landt. Dabei müssen sie sich folgende Fragen stellen: Welche Ausrichtung hat welcher Weltvertrieb? Zu welchem der Vertriebe passt mein Film? Welche Förderungen gibt es? Wer ist der Ansprechpartner? Auf dem EFM selbst geht es darum, neue Kontakte zu knüpfen oder bestehende Netzwerke zu pflegen.

Ideen visualisieren und präsentieren

Schon in der Produktion, so Landt, müssen Filmschaffende daran denken, hochwertige Set-Fotos, Stills und Visualisierung ihrer Filme herzustellen. „Die Fotos müssen die Seele des Films widerspiegeln.“ Die Bilder können zum Beispiel der Fokus eines One-Papers sein. Landt nimmt das Exemplar von „Tiger Girl“ in die Hand und zeigt es den HESSEN TALENTS. Dieses beinhaltet eine kurze Zusammenfassung des Films, Informationen über die Beteiligten des Projekts und kurze Fakten wie Titel, Genre und Dauer, Status des Projekts und Sprache. Außerdem hat das One-Paper einen QR-Code, der zum Trailer und weiteren Informationen führt. Solche Werbematerialien können die Künstler zu Terminen mitbringen und präsentieren. „Mit ansprechenden, visualisierten Ideen bleibt man den Leuten auf dem EFM in Erinnerung“, sagt Landt, „mehr als mit einer einzelnen E-Mail.“ Markt-Neulinge müssen einen guten Mittelweg finden: „Steter Tropfen höhlt den Stein – man darf den Leuten aber nicht auf die Nerven gehen.“

Bewerbungen für Filmförderungen einreichen – aber richtig!

Zeit nimmt sich Landt, um den Stand von German Films vorzustellen. Dieser ist ein Informations- und Beratungszentrum für den weltweiten Export deutscher Dokumentar-, Spiel- und Fernseh- sowie Kurzfilme. Filmemacher, die einen deutschen Film auf einem internationalen Festival präsentieren, können sich hier bewerben, um zum Beispiel eine Reisekosten-Rückerstattung oder Geld für ein Digital Cinema Package (DCP) zu erhalten.

Es gibt aber auch weitere Anlaufstationen, wie hFMA-Geschäftsführerin Anja Henningsmeyer ergänzt: „Die hFMA ist Mitglied bei der AG Kurzfilm – da könnt ihr euch auch um eine finanzielle Unterstützung bewerben.“

Auch bei der Bewerbung um eine Förderung ist gute Vorbereitung und Timing das A und O. Die erfahrene Produzentin Jessica Landt empfiehlt: „Tauscht euch mit Leuten aus, die schon öfter etwas eingereicht haben, und erkundigt euch bei den jeweiligen Unternehmen. Lieber habt ihr einmal zu viel gefragt als wegen Formfehlern abgelehnt zu werden!“ Zudem gibt es Seminare für Filmschaffende, um Tipps für Einreichungen zu bekommen.

„Filmemacher – nutzt eure Chancen“ 

Den Überblick auf dem EFM zu behalten, ist nicht leicht – vor allem nicht für Neulinge in der Filmbranche. „Es war gut, eine individuelle Führung über den EFM zu bekommen“, sagt Arianna Waldner Bingemer, eines der HESSEN TALENTS. „Wir lernen langsam die Leute kennen und wissen, wer wo dazugehört.“ Neben Erfahrungen hat sie einige Visitenkarte und Kontakte gesammelt. „Film ist ein hartes Geschäft“, sagt HESSEN TALENT Holger Jenss schmunzelnd, „aber es gibt auf jeden Fall viele individuelle Möglichkeiten für jede Art von Film, da muss kein Filmemacher entmutigt sein.“

Mehr Tipps für junge Filmemacher gibts hier.

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Beitrag von Laura Böhner

Bilder von Laura Böhner & Horst Martin

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Über DIE hFMA NETZREPORTER

hFMA NETZREPORTER ist ein journalistisches Format der Hessischen Film- und Medienakademie (hFMA), mit Reportagen, Interviews, Dokumentationen und freien Beiträgen von Festivals, Kongressen, Wettbewerben, Award-Verleihungen. Beiträge unter: www.hfmanetzreporter.wordpress.com, www.youtube.com/hfmakademie, www.hfmakademie.de Leitung: Prof. Rüdiger Pichler Die Hessische Film- und Medienakademie (hFMA) ist ein Zusammenschluss von 13 hessischen Universitäten, Fachhochschulen und Kunsthochschulen. Kontakt: Anja Henningsmeyer Geschäftsführerin Hessische Film- und Medienakademie (hFMA) Büro: 49 (0)69 667796-911 mobil: 49 (0)1799 123 191 Fax: 49 (0)69 667796-910 Addresse: hessische Film- und Medienakademie (hFMA), Ostpol, 2.OG Hermann-Steinhäuser-Str. 43-47, 63065 Offenbach am Main www.hfmakademie.de
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