Eine Idee und 140 Zeichen

Auf dem ADC-Festival werden Preise vergeben. So viel ist klar. Gold, Silber, Bronze – wie bei der Olympiade. Dabei sein ist alles – Ob unter den Kreativen der olympische Gedanke auch zu finden ist? Im Gespräch mit Vorjahres-Sieger Florian Meimberg, bin ich der Sache auf den Grund gegangen.

Mit den Tiny Tales auf Twitter wurde Florian 2010 mehrfach ausgezeichnet. Das Prinzip dieser Mini-Geschichten ist simpel: Eine Idee und 140 Zeichen – mehr braucht er nicht. Die Inspiration nimmt Florian von überall her: aus dem Alltag oder aus seiner Familie. An jeder Ecke wartet die nächste Geschichte. Deshalb trägt er auch immer ein kleines Notizheft mit sich herum, um keinen Gedanken zu verlieren. Etwa 200 Tiny Tales sind so bisher entstanden.

Mit seiner Idee gewann Florian 2010 zweimal Bronze und eine Auszeichnung – zu Gold reichte es nicht. Ob man sich da nicht ärgert, will ich wissen. Klar hab‘ ich gedacht: Mist, ich hab‘ kein Gold gewonnen, sagt er und lacht, aber am Ende freut man sich natürlich doch. Für ihn sei das Besondere an den Tiny Tales, dass er sie nicht um des Sieges willen geschrieben habe. Das war eine Sache, die ich nur für mich gemacht hab‘, weil es Spaß gemacht hat. Dann erzählt er mir von den anhaltenden Diskussionen über so genannte Gold-Ideen, also Arbeiten, die nur entwickelt würden, um auf einer Award-Show ausgestellt und prämiert zu werden. Verteufeln möchte er diese Vorgehensweise aber nicht: Ich sehe Kreativpreise auch als Showcases und Spielplätze, um Ideen aufzusaugen. Und Ideen, die vielleicht nicht das Licht der Welt erblickt haben, weil sie kein Teil einer großen Kampagne waren, zeigen trotzdem, wie geil Werbung sein kann.

Auch die Tiny Tales hätten ihm schließlich mehr gebracht, als nur Spaß: Beim ADC werden ja auch Self-Promotion-Kampagnen ausgezeichnet. Und als ich gemerkt habe, die Tiny Tales werden groß, die Fachpresse berichtet und die Follower prasseln nur so rein, lag die Einreichung nahe, um auch meine Arbeit als Regisseur zu promoten. Den olympischen Gedanken haben die Kreativen des ADC also nicht vollends verinnerlicht.

Zum Schluss verrät mir Florian noch ein Geheimnis: Im Herbst gibt’s die Tiny Tales auch als Buch. 400 mal 140 Zeichen, gebündelt und gebunden. Vielleicht ist dann etwas Gold-würdiges dabei. Meine Daumen sind gedrückt.

Das Foto machte Netzreporterin Jessica Nickel.

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