Willy Kaussen: «In meiner Dose ist noch Platz für Nägel»

Warum will eigentlich jeder diesen Nagel? Und was passiert, wenn man ihn gewonnen hat? Und die wichtigste aller Fragen: Wo bewahrt Sieger von Welt die glänzenden Schätze auf? Willy Kaussen, mehrfacher Nagel-Gewinner im Jahr 2010, verrät im Interview mit Netzreporterin Sandra Müller, worauf es wirklich ankommt.

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Sandra: Willy, im letzten Jahr hast du mit deiner damaligen Agentur für den Skoda-Werbespot „Glasmusik“ gleich zweimal abgeräumt: Silber und Bronze. Wie kamt ihr auf die Idee?

Willy: Das Ladevolumen eines Kofferraums wird immer in Litern gemessen und das wollten wir mit den Gläsern darstellen.

Sandra: Und der Inhalt der Gläser ergab exakt die Literzahl des Kofferraums?

Willy: Das bleibt das Geheimnis der Werbung. Glaub einfach nur das, was dir gefällt.

Sandra: Reicht man denn jedes Jahr etwas ein? Also Hauptsache: Einreichen, einreichen?

Willy: Man reicht natürlich nur Arbeiten ein, von denen man sich Chancen verspricht. Eine Einreichung kostet ja schließlich auch ein bisschen was.

Sandra: Und jede Einreichung kostet einzeln?

Willy: Ja! Das machen die bestimmt, weil sie die Halle bezahlen müssen. Ich glaube, die war nicht günstig.

Sandra: Wie ist denn das Gefühl, einen Nagel zu gewinnen?

Willy: Erst ist es Freude, dann ist es Genugtuung und dann ist es ein tierischer Ansporn, es nochmals zu tun. Weil man das Gefühl ja nicht einmal haben will, sondern möglichst oft. Möglichst jährlich. Möglichst im Abo. Aber ein Abo gibt’s ja leider nicht.

Sandra: Und wie ist das, mit dem Silber-Nagel ganz knapp am Gold vorbeizuschrammen? 

Willy: Ganz ehrlich, es ist ganz egal, ob du Silber hast. Keiner merkt sich das. Die Leute merken sich Ideen; die Leute merken sich Besonderheiten. Das ist wie bei dem Spiel Frankreich gegen Italien bei der WM 2006. Wenige wissen, wie das Spiel genau ausgegangen ist. Aber man erinnert sich an Zidanes Kopf-Stoß. Und daran wirst du dich auch in 100 Jahren noch erinnern, weil es eben heraussticht.

Sandra: Also spielt es eigentlich gar keine Rolle, ob man ausgezeichnet wird oder nicht?

Willy: Doch, also in dem Moment spielt es natürlich eine Rolle. Da ist es ein himmelweiter Unterschied, ob Bronze oder knapp Silber. Man trinkt dann gerne mal ein Bierchen mehr aus Frust. Aber wichtig ist, dass die Leute sich erinnern. Sachen bleiben nicht im Kopf, weil sie Gold gewonnen haben, sondern weil sie einfach herausragend sind. Das wirklich Doofe an den Nägeln ist allerdings, dass sie im Regal herum rollen. Also muss man eine Dose haben, wo man sie reinsteckt.

Sandra: Wie viele Nägel stecken denn schon in deiner Dose?

Willy: Da muss ich mal zählen…..7, 8…? Jedenfalls viele…aber da ist noch Platz für andere.

Sandra: Und wie viele goldene?

Willy: Vom ADC noch keiner. Aber man muss ja immer ein Ziel vor Augen haben, das ist ja das Schöne!

Sandra: Vor der Auszeichnung steht ja bekanntlich die Arbeit. Was sind denn die Grundvoraussetzungen, um in der Branche erfolgreich zu sein?

Willy: In gewisser Weise eine Art Geltungsdrang, sehr viel Neugier und natürlich Ehrgeiz. Das ist sogar wichtiger als Talent. Denn Leute, die Talent haben, ruhen sich sehr schnell darauf aus und sagen: „Ich kann das schon, ich bin so toll“. Aber wenn du ehrgeizig bist, bist du auch nicht mit der ersten Idee zufrieden, die aus deiner Birne kommt.

Sandra: Und du hast alle diese Eigenschaften?

Willy: Natürlich, so wie alle hier! (lacht) Nein, aber ich habe zum Glück Erfahrung, weil ich schon lange dabei bin. Ich habe schon viele Sachen erlebt, wo man sagt: „Was war das denn?“. Das stumpft dann so ein bisschen ab, und das macht einen auch ein bisschen gelassener.

Sandra: In jeder Branche gibt es Höhen und Tiefen. Was war denn für dich dein schlimmster und dein schönster Auftrag?

Willy: Also das Schönste ist, wenn man was macht, mit dem man sich voll und ganz identifizieren kann. Wir verkaufen ja keine Produkte, wir machen sie schmackhafter. Und es ist wesentlich brutaler, für ein schlechtes Produkt gute Werbung zu machen, denn das kommt dem Produkt alles andere als zugute: Die Erwartung wird zu hoch, und es wird noch viel schneller zu Boden krachen, als wenn du für ein gutes Produkt schlechte Werbung machst. Ein gutes Produkt mit schlechter Werbung geht immer noch, weil das Produkt an sich gut ist. Andersrum ist es tödlich.

Sandra: Was ist denn der größte Fehler, den man in der Branche machen kann?

Willy: Alles glauben, was einem der Interview-Partner sagt. (lacht) Nein, ich denke, es wird viel über Werbung gesprochen, aber sie wird nicht verstanden, weil einfach zu viel und zu lange gelabert wird. Mache ich ja gerade auch, ich laber auch ohne Ende. Einfach mal reduzieren, auf das, was man eigentlich sagen will. Oder wie wir es auf BILD getextet haben: Wer etwas Wichtiges zu sagen hat, macht keine langen Sätze.

Sandra: Willy, vielen Dank für das Gespräch.

Ausgezeichnet wurde Willy Kaussen 2010 mit der Agentur Leagas Delaney Hamburg, heute arbeitet er bei Scholz & Friends.
Das Foto machte Netzreporterin Jessica Nickel

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